Aussicht
"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen."

Dieser vielzitierte Satz gilt immer noch.
Auch wenn die besten Analysten inzwischen eine Trefferquote von nahezu 50% erreichen.

Das gilt auch für den Tourismus, wie die Vergangenheit gezeigt hat:
auf den schnellen Anstieg, der zu geradezu monströsen Hotelbauten auf der Rigi geführt hat, folgte
der schnelle Niedergang, bei dem diese Paläste mehr oder weniger warm abgebrochen wurden.

In der "Belle Epoque" residierten die Gäste oft mehrere Wochen in diesen Hotelpalästen,
was natürlich nur einer kleinen Oberschicht vorbehalten war.

Heute geht es beim "subprime Tourismus" vor allem darum, innerhalb einer Woche
in Europa möglichst viele Selfies zu produziern.

Es besteht die Gefahr, dass die nachstehend gezeigten Pläne für einen Quantitätstourismus
auf der Rigi den Qualitätstourismus beeinträchtigen werden.
der Masterplan
Im Juli 2016 erschien der "Masterplan zur nachhaltigen Positionierung des Erlebnisraumes Rigi".

Dieser Bericht ist höchst lesenswert als Beispiel für die extensive Verwendung
zeitnaher und objektneutraler Erkenntnisse. Er erfüllt alle Anforderung an Nachhaltigkeit,
da er in hohem Masse auch für andere Destinationen wiederverwendbar ist.
Hier ein kleiner, subjektiv gewählter Auszug:
Der landschaftliche Kontext ist differenzierend
und sollte mittels der vorhandenen Konzepte
kultiviert werden.

Mit dem Selbstverständnis "Erlebnisraum Rigi"
lassen sich entlang der Touchpoints der Gäste
eine Vielzahl von Aktivierungen im täglichen
Betrieb platzieren.

Das Risiko erhöht sich aufgrund der gebildeten
Cluster im Incoming-Bereich. Durch eine aktive
Bewirtschaftung und eine frühzeitige Einbindung
der Vertriebspartner können diese Risiken ebenso
minimiert werden wie die Gefahr der Substitution
durch einen regionalen Mitbewerber.

Mit einzigartigen, kuratierten Erlebnissen
begeistern wir unsere Gäste und sind in der
Lage, ihre Bedürfnisse abzuholen.

Besonderes Augenmerk verdient die
Orientierung des Outcomes an die
Sounding- und Entwicklungspartner.

Gezielte "Gipfel-Programmgestaltung"
für das historische Erbe der Rigi.
Staffel wird zum Hospitality- und Shopping-Hub.

Realisierung eines Augmented-Reality-Natur-
und Bahnerlebnispfads ergänzt durch reale Informationsträger.

Einbinden der innovativen Gastronomen
im Perimeter zur Schaffung von Vielfalt und
Vertrauen.

Reaktivierung Chänzeli als gastronomisches
Aussichtserlebnis mit Wellness- oder Wellbeing-
Bezug (z.B. Panorama-Hot-Tub).

Start des Co-Kreationsprozesses für die
Erlebnisentwicklung Abenteuerpark Rigi.

Auf- und Ausbau der Abenteuerangebote:
Outdoor-Übernachtungen, Kochen, Führungen
und Exkursionen mit Förster oder Wildhüter,
Besuch beim Bauern mit Alp-Olympiade,
Kill and Grill.

Urmiberg als Rückzugsraum für lokale
Alpinsport-Insider.
Sehr interessant finde ich das Biotop für Einheimische, den Rückzugsraum, der mit den Rigi-Bahnen
nicht erreichbar ist und daher keine Wertschöpfung bringt.

Es erstaunt wohl kaum, dass dieser Bericht heftige Reaktionen hervorgerufen hat.
Zahlreiche Medienberichte, Leserbriefe und eine Petition mit über 3'000 Unterschriften
führten dazu, dass sich die interessierten Parteien an einem Runden-Tisch zusammenfanden,
um das weitere Vorgehen zu besprechen.
die Charta
Im November 2018 wurde vom Runden-Tisch die Arbeit an der Charta Rigi 2030 abgeschlossen.
Sie zeigt den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich die unterschiedlichen Interessengruppen
einigen konnten:
Wir engagieren uns für den Schutz des ökologischen und kulturellen Erbes,
die moderate wirtschaftliche Entwicklung und eine hohe Lebensqualität der Bevölkerung der Rigi.
Wir verpflichten uns für eine nachhaltige Entwicklung, die auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft
Rücksicht nimmt.
Die "Grundsätze zur nachhaltigen Entwickung" enthalten allgemeingültige Absichtserklärungen
ohne konkrete Vorgaben, die erst noch zu erarbeiten sind.   Abschliessend wird festgestellt:
Die Charta Rigi stellt eine Selbstverpflichtung der Unterzeichneten dar.
Ihr kommt keine eigene Rechtsverbindlichkeit im Sinne eines durchsetzbaren Gesetzes zu.
So richtig rund scheint es am Tisch aber nicht zu laufen. Noch vor der Unterzeichnung der Charta
beschliesst die Rigi-Bahnen AG, die bestehende Pendelbahn von Weggis nach Kaltbad durch eine
Gondelbahn zu ersetzen und die Kapazität von 640 auf 800 Personen pro Stunde zu erhöhen.

Damit sollte die 2018 nur knapp verfehlte Zahl von 1 Million Besuchern leicht zu übertreffen sein.

Narürlich kann man eine Steigerung der Kapazität auch mit einer Pendelbahn erreichen,
und das erst noch ohne eine Vergrösserung der Berg- und Talstation und den Bau einer
bodennahen Fahrstrecke.

Für die Benutzer einer Gondelbahn liegt der Vorteil vor allem im psychologischen Bereich:
er und sie müssen nicht mehr in einer Warteschlange stehen, sondern bewegen sich,
wenn auch langsam, dem Einsteigeort entgegen.

"Da läuft eben etwas", allerdings auch die vielen Seilrollen in den Stationen und entlang der
ganzen Strecke, was nicht alle Anwohner und Wanderer (auch die gibt es noch) erfreuen wird.
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