Kloster Pfaefers
Um 800 erwirbt das Kloster Pfäfers den Hof Wattawis.
Weggis war damit ein Kelnhof des Benediktinerklosters
"unserer lieben Frau zu Pfäfers" im Bistum Chur.
Der Kelnhof war einem Kloster zinspflichtig, während
der Fronhof einem weltlichen Herrn zinspflichtig war.
Vorstand eines Kelnhofs war
(wer wohl) der Kellner.
Ob der schon damals
10% vom Zehnten
erhalten hat, ist mir
nicht bekannt.29
Denar
ein karolingischer Denar
998 bestätigt Papst Gregor V. dem Kloster Pfäfers den Besitz von Kirche und Dorf Guatigisio.
Aber diese Urkunde stellt sich als Fälschung heraus, mit der vermutlich die Belehnung des
Klostergutes verhindert werden sollte.
Paschalis
1116 Am 29. Januar bestätigt Papst Paschalis II. dem Abt Gerold von Pfäfers
das Eigentum an der Kirche der heiligen Maria mit dem Hof von Weggis.

Zwei Dokumente sind überliefert:
Im Original steht ecclesiam sancte Marie cum villa Guategisso,
in der Abschrift heisst es Wategisso.
Es handelt sich hier um die ersten bekannten, urkundlichen Aufzeichnungen
des Namens von Weggis.
Urkunde Pascalis a
St.Gallen, Stiftsarchiv Pfäfers, Originalurkunde 29.01.1116-a

Urkunde Pascalis b
St.Gallen, Stiftsarchiv Pfäfers, zeitnahe Abschrift 29.01.1116-b
1273 Abt und Konvent von Pfäfers erteilen dem Magister Heinrich von Weggis freies Verfügungsrecht
über die Güter, die er zur provisionsmässigen Verleihung an Kleriker erhielt:
Magister Heinrich von Weggis
Bild und Dokument: St.Gallen, Stiftsarchiv Pfäfers
Aus dem Jahre 1315, so die Meinung des Herrn Cysat, ist das erste Hofrecht von Weggis überliefert. Es gilt für die Dörfer Weggis, das obere und das niedere nebst Wyl und Husen, sowie für das Dorf Vitzenow. Land und Leute sind im Stand der "Gottesleute", sie sind unfreie Besitzer (nicht Eigentümer) von Gotteshausgut und können diesen Besitz vererben.
Darin werden Ortsbezeichnungen verwendet, die sich bis heute erhalten haben, wie Greppen, Hertenstein, Bärenzingel, Schild, Weisstannen, Dossen, Honegg und Wissifluh.
Pfennig
1329 am 28. September verleihen Abt und Convent zu Pfäfers
den Kelnhof Weggis als "Lipgedinge" dem Jost von Moos mit der Auflage,
so lange er lebe, jährlich zwanzig Pfund Zürcher Pfennige zu zahlen.

Unterschiede im Gewicht der Pfennige führten dazu, dass diese bei grösseren Stückzahlen nach Gewicht gehandelt wurden.
1337 am 25. Februar verleiht der Abt Hermann von
Pfäfers das Gut Husen, das innerhalb der Marchen
des Hofes zu Weggis liegt, dem Claus von
Hertenstein zu rechtem Lehen, mit Holz, Weide,
Acker und Wiesen, mit allen Rechten die dazu
gehören und von uns und unserem Gotteshaus-
Lehen sind.
1339 am 31. Mai wird das vorstehende Lehen zu
einem "Kunkellehen", indem es an Niklaus von
Hertenstein und an Frau Annen, seine "eheliche
Wirtin" geliehen wird.
Hier steht auch, dass sein Bruder das Gut vormals
von Rudolf dem Kelner von Luzern gekauft habe.
1342 am 16. Dezember beurkunden Thüring von Ramstein, Domprobst zu Basel, und sein Bruder Rudolf, dass sie dem Niklaus von Hertenstein zu Lehen gegeben haben zwei Dörfer, die man Wetgis nennt, das obere und das niedere,
das Dorf, das man Vitzenowa nennt und das zu Wile,
mit Leuten, Gütern, Wiesen und Weiden
.

Das betrifft offensichtlich ein Lehen der Vogtei
und nicht die Eigentumsrechte.

Domprobst Ramstein
Staatsarchiv Luzern URK 113/1710
1359
am 31. August bestätigen der Schultheiss, Rat und Burger der Stadt Luzern, und die Landammannen und Landleute der Länder Uri, Schwyz und Unterwalden, dass die ehrbaren Leute von Gersowa und von Wetgis mit den vier Waldstätten das Bündnis von 1332 geschworen haben.

Dies weil die beiden Dörfer nicht namentlich in der Urkunde erwähnt wurden.

Im ersten Teil des "Weissen Buch von Sarnen" steht davon eine Abschrift:
Vierwaldstätter Bund
Weisses Buch Sarnen
Sarnen, Staatsarchiv Obwalden, Sig.A.02.CHR.0003, Seite99
*Gulden"
1368 am 22. Dezember verpfändet Ulrich von Hertenstein den ehrbaren Leuten der Gemeinde die in der Vogtei Wetgis sitzen und deren Vogt ich bin für 130 Gulden die Vogtsteuer und andere Gülten und Zinsen auf zwölf Jahre. Danach soll wieder alles sein wie zuvor.

Das sieht nach einer Kreditaufnahme aus.
Zu dieser Zeit wurden in der Schweiz noch keine Goldmünzen geprägt,
es geht hier um "Florentiner Gulden", die seit 1330 im Umlauf waren.
1368 Im ältesten bekannten Beleg zum Namen
der Rigi heisst es: ..in pede montis riginam..
zu deutsch: am Fusse des Berges Riginam.
So steht es jedenfalls bei Wikipedia und wird
fleissig kopiert.
Weitere Belege sprechen von den "Riginen"
(geologische Schichtungen), womit die Diskussion
um die Entstehung des Namens wohl eher zu
Gunsten der Geologie entschieden ist, auch wenn
Herr Bonstetten später eine andere Meinung vertritt.
Eggisbühler
Weinbauer
1378 am 14. Februar verkauft der Abt Johannes und der Convent des Gotteshauses zu Pfäfers an Johann von Waltersberg, Landammann zu Unterwalden, für 600 Goldgulden unseres Gotteshauses Kelnhof zu Wetgis am Lucerner See gelegen, mit Leuten, Jungen und Alten, Frauen und Mannen, mit Gütern, geerbt oder eigen und mit allen Nutzen, Gülten, Zinsen, Diensten, Fischenzen, Zehnten, der unserem Gotteshaus als Eigentum zugehört.
Wie sich nur zwei Wochen später zeigte, war Johannes von Waltersberg nur als Makler für seinen Schwager Heinrich von Moos tätig.
1378 in einer Urkunde wird der Zehnten (Abgabe an die Kirche) beschrieben. Daraus geht hervor, dass in Weggis u.a. Wein, Nüsse, Kastanien, Obst und Hanf angebaut wurden. Etliche Jahrhunderte später wird auch wieder Wein angebaut, nur mit dem Hanf wird es wohl noch etwas dauern.
1378 am 31. März verkauft Heinrich von Moos
die grundherrlichen Rechte den Leuten und der
Gemeinde zu Weggis und zu Vitznow, die zum
Kelnhof zu Weggis gehören
für 1'050 Goldgulden.
Neben verschiedenen Auflagen behält von Moos
das Genossenrecht und das Patronatsrecht über
die Kirche. Damals gab es offensichtlich noch keine
Grundgewinnsteuer.
1380 am 28. Juni verkauft Imer von Ramstein,
Domherr zu Basel, die Vogtei Weggis für 70 Gulden
an die Stadt Luzern.

1380 am 20. Juli verkauft Ulrich von Hertenstein,
Edelknecht, das Gut Husen gleichzeitig mit der
Vogtei über Weggis an Schultheiss, Rat und
Gemeinde Luzern für 400 Goldgulden.
1380 Nach Übergabe der Vogtei Weggis an Luzern verweigerten die Dorfleute den Treueeid.

Sie wurden daraufhin gefangen genommen und mit den Nauen abgeführt 23

Erst nach Vermittlung durch die Urkantone wurden sie wieder freigelassen 23
Es folgt ein jahrzehntelanger Streit über das Verhältnis der Seegemeinden zu Luzern,
der erst mit dem Anlassbrief vom 4. März 1433 ein vorläufiges Ende findet:
1431
verkauft Ulrich von Moos dem Amman und den Kirchgenossen zu Weggis für 550 Pfund Pfennige seinen Kirchenzehnten.

Dieser Zehnten war an den jeweiligen Seelsorger abzuführen.

Das galt für die ganze Pfarrei, also
für das Ober- und Unterdorf Weggis,
Vitznau und Greppen.

Offensichtlich war das schon damals
eine Gegend mit hoher Wertschöpfung.
Pfennige
Albrecht Bonstetten
1479
Albrecht von Bonstetten,
Dekan des Klosters Einsiedeln,
zeichnet eine Karte der Schweiz
mit der Rigi im Mittelpunkt.

Et est mons Regina,
quem veteres montium Reginam dicebant.


Auf deutsch: Und das ist der Berg Regina,
den die Alten eine Königin der Berge nannten.

Man beachte, dass auf dieser Karte
der Norden unten liegt.
Dieses Bild aus der
Diebold Schilling Chronik
zeigt einen Überfall
bewaffneter Gersauer
auf Weggis und den
Raub von Vieh und Fischen
23

das Atelier von Diebold Schilling
Landkarte Konrad Türst
1496 Konrad Türst zeichnet die erste Karte der Eidgenossenschaft, hier ein Ausschnitt - mit Norden unten 21
Rigi Heiligkreuz
1500 Die Kapelle Heiligkreuz am Rigiweg von Weggis wird erbaut 24
Landkarte Ptolomaeus
Landkarte Ptolomaeus
1513 entstanden die ersten gedruckten Karten der Schweiz im Strassburger "Ptolomaeus-Atlas"
hier Ausschnitte mit dem Vierwaldstättersee, dem Zugersee und dem Zürichsee 27
Spielkarten
Münze 1500
Bei diesen Karten war es wohl weniger wichtig,
ob Norden oben oder unten ist.
Solange man die richtigen in der Hand hatte.
Gessler
1532 beschreibt Aegidius Tschudi eine Ruine oberhalb von Küssnacht als "Gesslerburg" 24

Einen Herrn Gessler gab es nie auf dieser Burg.
Aber immerhin kam es hier 1302 wegen hoher Steuerforderungen
zu einem Aufstand gegen den habsburgischen Vogt Eppo den Zweiten,
den dieser nur knapp überlebt haben soll.
Dieser Vorfall ist vermutlich in die Tell-Sage eingeflossen.
Tschudi
1540 Bartholomäus Joler aus Weggis wird vom "Kalten Bad" geheilt.
Rigi Kaltbad
Im 16.Jahrhundert war diese Quelle für ihre
Heilwirkung bei "Rückenweh und allerlei Fieber"
bekannt.
Die Badenden sollten sich im hölzernen Trog
dreimal drehen, dann um die Kapelle laufen
und fünf Vaterunser, fünf Ave Maria und ein
Credo beten.
Karte Tschudi
1560 Ausschnitt aus der Schweizerkarte gezeichnet von Aegidius Tschudi 81
1585 Erste Kapelle und Einsiedelei auf Kaltbad
1593 Nahe Scheidegg wird eine eisenhaltige Quelle entdeckt.
1601 Am 18.September löst ein Erdbeben der Stärke 6.2 massive Erdrutsche im Weggiser Becken aus und verursacht eine 4 Meter hohe Flutwelle, die über den See läuft und zu grossen Schäden führt.
So wurden im Küssnachter Becken Schiffe aus dem See gehoben und 50 Schritt vom Gestade und zwei Hellebarden hoch an Land gespült.
1603 Renwart Cysat über Drachen und Namen:
Anno 1603 hat mir ein wahrhaffter alter mann, so unde an diesem Berg wonet und den Sommer gar vill zeits tag und nacht von der alpung wegen uff dem berg blybt, erzelt wie das er uf ein zeit nach mutmassung ungefahr umb das jahr 1564 an einem abent sommerzits zu angehender nacht bei heiterem himmel gsechen einen fürigen Tracken uss Pilati Berg in die Rige schiessen, hab einen grossen glantz und heitere gemacht, auch gross fürige flocken und flammen von ihme fallen lassen.
Ist dieser Berg ein lustiger schöner und glychsam also zuo reden ein zamer Berg. Obsi glichwol von dem See har etwas ruch und wild sind anzusechen. So man aber hinuff wandlet findt man inne nit sogar wild, ouch zu wandlen nit ungfüg, ouch allenthalben merenteils bedeckt mit guten Weiden und Allpen. Deswegen von den Alten und Historicis Regina Montium, das ist ein Königin der Bergen genannt worden, alls ich es in ettlichen Schriften gesehen.
Von dieses Bergsnamen sind zweyerlei Meinungen und doch beid passierlich. Die einen heissen zuo Latin "Regina Montium", und nit unbillich der Gelegenheit halber der benachpurten Bergen, die anderen Rigam, wie ouch die Landtlüt inne Rigi namsend, dann an der vordren siten gegen dem Seew ist er gestryffet oder gefalltet und mit vilen Strichen und Banden der Felsen uff einandern glychsam alles gebunden und understrichen, wölcher Nam von dem Latinischen oder Italienischen harkompt von der Glychheit wegen. Denn in selbiger Sprach heisst Riga ein Linier oder Lini."
  Die Drachenzeichnung wurde von seinem Enkel Leopold, Vogt zu Weggis, erstellt.
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Ganz ernst darf man den Stadtschreiber Cysat aber nicht nehmen.
So erzählt er von Helm und Waffen des Ulrich Zwingli,
die von den Luzernern in der Schlacht bei Kappel erbeutet wurden,
und noch heute im Landesmuseum zu sehen sind.

Eine schöne Legende, die aber leider nicht auf Tatsachen beruht,
wie so vieles aus dieser Zeit.
Landkarte Renwart Cysat
1613 Von Renwart Cysat und Heinrich Wägmann stanmt diese Karte
des Vierwaldstättersees.
Münze Leodegar
1661 Ein Felssturz verschüttet das Mineralbad Lützelau.
1674 Die "Gassrübi", eine eine 200 x 400 Meter grosse Nagelfluhplatte stürtzt auf Vitznau herab.
1688 Johann Balthasar Sebastian Zay stiftet eine
Kapelle im Gebiet Klösterli mit dem Gnadenbild
"Maria zum Schnee" um den Sennen auf den Alpen
den Gottesdienst zu ermöglichen.
Rigi Balchenberg
schon im 17.Jahrhundert war bekannt, wo man die besten Balchen fängt; das gilt auch heute noch.
Leopold
1700 Erstes Wirtshaus auf Kaltbad
1721 Eine neue Kapelle wird auf Klösterli erstellt
1756 Kaltbad erhält das Tavernenrecht
Rigi Kloesterli
1770 Ursprünglich übernahmen Kapuziner die Gottesdienste von Arth aus,
später wurde für sie neben der Kapelle ein Wohnhaus gebaut, das Klösterli 24
1775 Auf seiner ersten Schweizerreise wandert Johann Wolfgang von Weimar über Klösterli und Kaltbad nach Kulm:
Wir bestiegen den Rigi, um halb achte standen wir bei der Mutter Gottes im Schnee; sodann an der Kapelle, am Kloster vorbei, im Wirtshaus "Zum Ochsen". Um 12 Uhr nach dem Kalten Bad oder zum Drei-Schwestern-Brunnen. Ein Viertel nach zwei hatten wir die Höhe erstiegen; wir fanden uns in Wolken, diesmal uns doppelt unangenehm, als die Aussicht hindernd und als niedergehender Nebel netzend. Aber als sie hie und da auseinander rissen und uns, von wallenden Rahmen umgeben, eine klare, herrliche, sonnenbeschienene Welt als vortretende und wechselnde Bilder sehen liessen, bedauerten wir nicht mehr diese Zufälligkeiten;
denn es war ein nie gesehner, nie wieder zu schauender Anblick, und wir verharrten lange in dieser gewissermaßen unbequemen Lage, um durch die Ritzen und Klüfte der immer bewegten Wolkenballen einen kleinen Zipfel besonnter Erde, einen schmalen Uferzug und ein Endchen See zu gewinnen. Um 8 Uhr abends waren wir wieder vor der Wirtshaustüre zurück und stellten uns an gebackenen Fischen und Eiern und genugsamem Wein wieder her.

Goethe war es auch, der seinem Freund Friedrich von der Tellsage und der zugehörigen Landschaft berichtete.
So konnte Schiller, der nie in der Schweiz war, das Drama "Wilhelm Tell" schreiben und 1801 erstmals in Weimar aufführen lassen.
Weggis
1790 Weggis 24
Angster
Rappen
Weggis Tannenberg
Weggis Tannenberg
1795 Ein Rutsch vom Tannenberg in das Weggiser Oberdorf zerstört 28 Häuser innerhalb von drei Tagen.
Die zeitgenössische Darstellung rechts zeigt den gesamten Schuttstrom in brauner Farbe 42
1797 Auf seiner zweiten Schweizerreise kommt J.W.Goethe auch an Weggis vorbei:

"In der Entfernung vom See sahen wir Weggis, einen Ort, der durch einen
langsam vorschiebenden Kiesboden, nicht etwa durch einen Felsensturz,
vor kurzer Zeit von der Stelle geschoben wurde.

Das Schieben des Erdreichs, wobei alles zu Grunde ging, was sich
auf der Oberfläche befand, dauerte 14 Tage, so dass die Leute ihre
Häuser abtragen und das Holz wegschaffen konnten.

Ein Haus wurde dergestallt herumgedreht, dass es jetzt nach einer
andern Seite hinsieht. Man fängt wieder an zu bauen."
Münze Luzern
RIGIRAMA
800-1799
1800-1899
1900-1999